Astrofotografie :: Kometen - 103P / Hartley 2

 

Kometen - 103P / Hartley 2 (zuletzt aktualisiert: 16.11.2010)

Komet 103P / Hartley 2 ist, wie der Name schon sagt, ein periodischer Komet, der die Sonne auf einer sehr exzentrischen Bahn zwischen Erde und Jupiter einmal in 6,27 Jahren umkreist und im Perihel der Erdbahn mit 8.781.395 km Abstand ziemlich nahe kommt. Der Kern ist mit geschätzten 1,5 km Ausdehnung recht klein, ganz andere Größenordnungen erreicht seine Koma, die sich zum Aufnahmezeitpunkt auf rund 113.500 km erstreckte und damit eine zum Saturn vergleichbare Größe hatte. Durch die große Nähe zur Erde wurde ein scheinbarer Durchmesser der Koma von gut der halben Größe des Vollmonds erreicht. Das türkise Leuchten wird durch das Ausgasen der Moleküle C²N² und C² verursacht.


Am 20.10.2010 kam dieser Komet mit 0,1208 AE (=18.071.422 km) in Erdnähe und erreichte am 28.10.2010 seine Perihelstellung mit nur 1,0587 AE Abstand zur Sonne. Eigentlich würde man in dieser Stellung ja eine Rückläufigkeit erwarten, doch durch die hohe Geschwindigkeit nahe des Perihel ´überholt´ 103P / Hartley 2 die Erde sozusagen auf der ´Außenbahn´, so daß er seinen Marsch nach Osten nicht mit einer Oppositionsschleife unterbricht.

Der Kometenkern


Komet 103P / Hartley 2 Am 4.11.2010 näherte sich die amerikanische Sonde ´Deep Impact´ unter dem neuen Missionsnamen ´Epoxy´ diesem Kometen auf rund 700 km an und machte die rechts gezeigte, spektakuläre Aufnahme.

Der Kometenkern zeigt eine ungewöhnliche Erdnußform. Die glatte Oberfläche in der Mitte zwischen den beiden hantelförmigen Enden dürfte einige Fragen aufwerfen. Der gesamte Körper ist rund 2 km lang und scheint keinerlei größere Einschlagskrater zu haben. Mehrere auffällige Gas- und Staubjets liefern das Material, aus dem die Koma besteht. Wir haben also einen recht aktiven Kometen vor uns.

Kometenkern Hartley 2: Quelle: Deep Impact/Epoxy/NASA


Bereits in 2005 hatte ´Deep Impact´ ein Projektil auf Komet Tempel 1 abgefeuert und konnte aus dem aufgewirbelten Material viele wertvolle wissenschaftliche Informationen über den Kometen sammeln. Die ´Wiederverwendung´ bei 103P / Hartley 2 ist ein vorbildliches Beispiel für kostensparenden Einsatz kostbarer Resourcen.

Visuelle Beobachtung:
Eigentlich hätte dieser Komet auf Grund seiner ´offiziellen´ Helligkeit dem unbewaffneten menschlichen Auge zugänglich sein müssen. Doch weit gefehlt, der Komet war trotz genauer Kenntnis seiner Position und recht dunklem, klarem Himmel nicht zu erkennen, daher halte ich die angezeigten 5 mag für weit übertrieben und tippe eher so auf 7 mag. Im Fernglas (7x50) war er jedoch ohne Probleme als schwach glimmendes ´Nebelbällchen´ zu erkennen.

 
Allgemeine Objektdaten:
Objektgröße:      18,9´
Entfernung:       20.734.265 km
Ausdehnung:          113.500 km
Durchmesser:      1,5 km
Helligkeit:       5,00 mag
mittlere FH:      20,08 mag/"²
Koordinaten:      03h 02m 05,6s / +55° 32' 58"
Sternbild:        Perseus (PER)
 

Aufnahmen & verwendete Aufnahmetechnik:

103P / Hartley 2
 
 
103P / Hartley 2
103P / Hartley 2
Aufnahmedaten:
Aufnahmezeit:     2010-10-10 22:35 UTC
Montierung:       EQ1
Teleskop:         Weltblick MC 1:3.5/135
Öffnung:            38 mm
Brennweite:        135 mm
Öffnungsverh.:    f/3,5
Kamera:           Canon EOS 1000 D
Einzelbelichtung: 30s @ ISO 800
Stacking:         40
Belichtung eff:   189,7s
Bias/Rauschen:    206 ADU / 60 RMS (auf 16 Bit bezogen)
Vb:               13,8 ×
Theor. Grenzgröße 18,3 mag
Theor. Grenz-FH   26,5 mag/"²
Bildfeld:         1,55° × 1,24°
Abbildungsmaßstab 8,71", 75,85"², 875,4 km/Px

Bedingungen:
Horizonthöhe:     66° 39´
rel. Extinktion:  0,09 mag
Seeing:           Mittel [5/10]
FWHM:             2,3 Pixel ≡ 20,0"
Reale Auflösung:  2.013,5 km
Transparenz:      5.5 fst
Temperatur:       3°C

Mitwirkende: F. X. Kohlhauf

Info:
Tags zuvor hatte Komet 103P / Hartley 2 eine nahe Begegnung mit dem Doppelsternhaufen H und Chi Persei, doch da wurde der Himmel über Bad Tölz von dichten Hochnebelschwaden geziert, was eine schöne Aufnahme dieser seltenen ´Kosmischen Begegnung´ unmöglich gemacht hat.

In der 2. Aufnahme
hatte sich dieser Komet schon um einige Grad nach Osten aus dem Staub gemacht, aber das große Bildfeld der Kamera / Objektiv konnten beide noch auf ein Foto bannen. Komet und Sternfeld wurden getrennt voneinander gestackt und bearbeitet.
 
103P / Hartley 2 - CCD-Aufnahme
103P / Hartley 2 - CCD-Aufnahme

Allgemeine Objektdaten:
Objektgröße:      18,9´
Entfernung:       20.734.265 km
Ausdehnung:          113.500 km
Durchmesser:      1,5 km
Helligkeit:       5,00 mag
mittlere FH:      20,08 mag/"²
Koordinaten:      03h 02m 05,6s / +55° 32' 58"
Sternbild:        Perseus (PER)

Aufnahmedaten:
Aufnahmezeit:     2010-11-14 02:56 UTC
Montierung:       Meade LX200GPS (G
Teleskop:         Meade 10" SCT
Öffnung:           254 mm
Brennweite:        975 mm (Reducer)
Öffnungsverh.:    f/3,8
Kamera:           ATiK 16IC-HS
Filter:           L-RGB-Filtersatz
Einzelbelichtung: 60s
Stacking:         33
Belichtung eff:   344,7s
Bias/Rauschen:    1184 ADU / 58 (60,5) RMS
Vb:               76,7 ×
Theor. Grenzgröße 20,3 mag
Theor. Grenz-FH   25,9 mag/"²
Bildfeld:         17,19' × 12,89'
Abbildungsmaßstab 1,57", 2,45"², 226,9 km/Px

Bedingungen:
Horizonthöhe:     36° 45´
rel. Extinktion:  0,56 mag
Seeing:           Mäßig [4/10]
FWHM:             3,7 Pixel ≡ 5,8"
Reale Auflösung:  839,4 km
Transparenz:      5.5 fst
Himmelshelligk.:  20,21 mag/"²
Temperatur:       6°C

Grenzhelligkeit:  20,1 mag

Aufnahmedetails:
L: 33 × 60s
R: 22 × 30s Binning: 2
G: 25 × 30s Binning: 2
B: 31 × 30s Binning: 2
Leitstern: 6,19 m /  24´ 45" O
Autoguiding: Guidedog 1.0.6 und Philips ToUcam (S/W-Mod)

Info:
Gut einen Monat später hat sich Komet 103P / Hartley 2 beträchtlich von seiner Position im Perseus entfernt und bewegte sich mit rund 2,5"/min durch das Sternbild des Einhorn in süd-süd-östliche Richtung (´7 Uhr´). 60s Belichtungszeit waren also das höchste der Gefühle.

Während sich der Abstand zur Sonne gegenüber der letzten Aufnahme kaum geändert hat (der Periheldurchgang war vor gut 2 Wochen) erhöhte sich der Abstand zur Erde um fast 50%. Die gezeigte Aufnahme wurde mit weit größerer Optik und mit einer CCD-Kamera gemacht, entsprechend besser waren Grenzhelligkeit und Auflösung. Die Koma scheint nur noch halb so groß zu sein. Komet und Sternfeld wurden getrennt voneinander gestackt und bearbeitet.
 
 
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