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Montierungen: Die EQ1
Erstaunlich viel Montierung für´s Geld bekommt man mit der EQ1. Bis zu 2 kg Optikgewicht kann diese kleine, reisetaugliche Montierung noch ohne Probleme tragen.



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Montierungen: Die EQ1


Die EQ1 mit Tischstativ und NachführmotorMan mag ja über diese kleine Einsteigermontierung für nicht einmal 100 Euro sagen was man will - einmal vernünftig eingestellt und mit nicht zu schwerer Optik beladen, leistet sie als leichte und platzsparende Reisemontierung erstaunlich viel. Sogar Deepsky mit 135mm Brennweite (8,7´´/Pixel bei f/3,5) und 30s Belichtungszeit pro Einzelaufnahme führten in mehreren Tests zu einer Verwendungsrate von 65-75%, ein immerhin erstaunlicher Wert.

 

Typ und Belastbarkeit

Die EQ1 ist eine sogenannte Deutsche Montierung, was bedeutet, daß sich bei ihr alles um die möglichst genau auszurichtende Polachse dreht. Kleine Optiken, etwa kurzbrennweitige Refraktoren bis max. 2 kg Gesamtgewicht oder einfach nur eine Kamera mit Teleobjektiv (Abbildung mit der Canon EOS 1000D und Nachführmotor) trägt diese Montierung ohne Probleme. Hinzu kommt das Gewicht des mitgelieferten Gegengewichts von 2 kg, wodurch die Gesamtbelastbarkeit sogar auf 4 kg ansteigt. Tubuslängen ab ca. 500mm sind allerdings wegen der Hebelwirkung nicht zu empfehlen.
 

Tip: Wenn irgendwie möglich, statt des mitgelieferten Gegengewichts ein leichteres hernehmen (so wie in der Abbildung oben), und dieses weiter außen an der Gegengewichtsstange befestigen. Dabei nicht präzise ausbalancieren, sondern statt dessen ein leichtes Übergewicht auf der linken Seite zulassen. Erstere Maßnahme hat den Vorteil, daß sich die Polachse frei bewegen läßt - ein Umschwenken ist dann überflüssig. Das leichte Übergewicht auf der linken Seite führt dazu, daß die Schnecke beim Nachführen stets an einer Flanke des Zahnkranzes ´angreift´ und ein Spiel damit vermieden wird.

 

EQ1-Schnecke Einstellungen

Das Schneckengetriebe, das die Polachse antreibt, entstammt - nunja, was will man bei dem Preis auch erwarten - keiner Hochpräzisionsfertigung. Im Test war der Druck der Schnecke auf den Zahnkranz viel zu hoch, wodurch sich die Achse nur sehr schwer drehen ließ. Abhilfe schafft ein Lösen der beiden Schrauben an der Schneckenhalterung (Abbildung). Erst wenn sich die Schneckenachse ohne Kraftaufwand drehen läßt ohne viel Spiel zu zeigen, paßt der Anpreßdruck. Leider war im Test eine nicht vernachlässigbare Unwucht zu spüren.
 

 

EQ1-Steuerung Nachführung und Steuerung

Ein Pluspunkt ist die beidseitig herausgeführte Achse, die direkt mit der Schnecke verbunden ist. An ihr läßt sich ein Nachführmotor befestigen, der in der gezeigten Ausführung (Abb. oben), ein Schrittmotor, recht ordentlich arbeitet. Im Test konnte ich in 7 Stunden eine durchschnittliche Drift von 52,5´ messen, entsprechend 7,5´´ pro Minute für Objekte in Äquatornähe. Glücklicherweise läßt sich die Nachführgeschwindigkeit in der Handbox mittels Poti (siehe einblendbare Markierung, Maus über das Vorschaubild fahren) noch feinkalibrieren, aber ´Plug-and-Play´ ist das eben nur für entsprechend kurze Brennweiten und Einzelbelichtungszeiten.


Tip: Parallel zur Stromversorgung einen dicken Elko (10.000 µF / 10V, auf Polung achten!) löten. Dieser liefert problemlos die kurzen, bis zu 2 A (!) starken Stromspitzen, die während eines Einzelschritts fließen, während der Elko ´gemütlich´ mit ca. 300 mA fast gleichmäßig über die Batterie nachgeladen wird. Eine nicht mehr ganz frische Batterie kann solche Stromspitzen nicht liefern, am wenigsten die billigen Zink-Kohle-Batterien. Mit guten Alkali-Mangan-Batterien oder Nickel-Metallhydrid-Akkus (beide ca. 7 Ah) kann man bis 23 Stunden nachführen, auch bei tiefen Temperaturen sollten wenigstens 10 Stunden ´drin´ sein. Die Zuleitung zum Elko sieht man in der Abbildung oben als rote und schwarze Leitung ganz links, die an der Stromversorgungsbuchse angelötet, die Box mit dem weißen Kabel zum Motor verläßt.

 

EQ1-Schneckenfehler Der Schneckenfehler

Ganz andere Dimensionen erreicht der Schneckenfehler, der letztlich sowohl die nicht geguidete Belichtungszeit auf ca. 30s, als auch die verwendbare Brennweite begrenzt. Eine genauere Messung bestätigt leider das schlechte Ergebnis aus vorangegangenen Schnelltests.

Die Abbildung zeigt einen Test mit 70*30s und bewußt verstellter Azimutausrichtung der Polachse, nach dem der Schneckenfehler satte +/- 196´´ erreicht. Eingesetzt wurde das oben gezeigte Setup mit 135mm Brennweite und einem Abbildungsmaßstab von 8,7´´/Pixel. Ein solcher Wert ist jenseits von Gut und Böse. Als einziger Trost bleibt, daß es durchaus genügend ´ruhige Momente´ mit Zeitfenstern von einigen 10s gibt, in denen gute Aufnahmen möglich sind.

 

Beispielkonfiguration:

Die EQ1 ist im guten Fachhandel zusammen mit Tischstativ oder mit Feldstativ erhältlich. Die passende motorisierte Nachführung ist dort ebenfalls erhältlich. Beispiele:

Bezugsquelle:
Montierung EQ1 auf Tischstativ [Teleskop-Service]
Nachführmotor / Schrittmotor für EQ1 [Teleskop-Service]


 

Fazit

Die EQ1 ist als leichte Reisemontierung ihren Anschaffungspreis absolut wert. Bei geringer Last unterhalb von 2 kg und guter Einstellarbeit kommt man mit ihrer Hilfe durchaus in den Genuß von guten ´Urlaubsbildern´ von Sonne, Mond und Planeten bis hin zu leichteren DSO, etwa Teile der Milchstraße oder einige Messier-Objekte. Allerdings sollte man bezüglich Belichtungszeit und Brennweite keine allzu hohen Erwartungen an diese Montierung stellen, da der Schneckenfehler mit gut +/- 3´ eher ´deepskyunfreundlich´ ist. Bei 30s Einzelbelichtungszeit sind da kaum mehr als 200mm Brennweite ´drin´, was für viele Objekte jedoch völlig ausreicht. Sonnenflecken, Details auf der Mondoberfläche und die hellen Planeten von Merkur bis Saturn sind wegen der kurzen Belichtungszeiten auch mit größeren Brennweiten problemlos fotografierbar. Und ganz nebenbei - man kann auch visuell beobachten...

 
 
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