Astrofotografie :: Atik ATK 16IC-HS - Software

 
Auf den ersten Blick wirkt die mitgelieferte Software zur Aufnahme und Kamerasteuerung sehr spartanisch, doch bei näherem Hinsehen enthält sie alles, was man braucht um perfekte Aufnahmen machen zu können.

Atik ATK 16IC-HS - Software

Inhaltsverzeichnis:

  1. Ausgabeformat
  2. Bedienung
  3. Anzeige- und Belichtungsoptionen
  4. Resourcenverbrauch
Schwarzwert Weißwert Logarithmische Darstellung Zoom Auto stretch Fadenkreuz Invertieren Höhen-Seitenverhältnis korrigieren Blendfreie Nachtansicht Kein Kommentar ... Belichtungszeit Direkteingabe Belichtungszeit Minutenschritte Belichtungszeit Sekundenschritte Belichtungszeit Sekundenbruchteile Aufnahmeverzögerung Belichtungszeit verriegeln Binning horizontal Binning vertikal Bildausschnitt Vollbild Automatisch speichern Dateiname Sequenzformat Auf nächstes Verzeichnis umschalten Sequenznummer Kein Kommentar ...

Artemis Atk Capture heißt die mitgelieferte Software zur Aufnahme und Kamerasteuerung. Die Software ist erfreulich schlank, schnell und stabil. Auch wenn sie auf den ersten Blick etwas spartanisch wirkt, so heißt das noch lange nicht, daß sie wichtige Funktionen vermissen läßt. Vielmehr geht der Programmierer konsequent den Weg "konzentriere Dich auf das Wesentliche und verzichte dafür auf unnötige Spielereien". Und das ist genau der richtige Weg, denn bei der Astrofotografie muß man sich auf das Teleskop und seine Nachführung konzentrieren, eine allzu komplizierte Aufnahmesoftware ist so ziemlich das Letzte, was man dabei gebrauchen kann.

 

Ausgabeformat
ist stets eine 642 KB große FITS-Datei, 659 × 494 Pixel, Schwarz/Weiß, 16 Bit, unkomprimiert. Das ist für die Astrofotografie auch sehr zweckmäßig, denn im FITS-Header werden unter anderem alle wichtigen Informationen wie sekundengenaue Aufnahmezeit, Belichtungszeit und dergleichen gespeichert. Diesen Informationen können auf Wunsch noch drei Felder für "Objekt", "Teleskop" und "Astrofotograf" hinzugefügt werden.
 

 

Bedienung
Wie schon angedeutet, beschränkt sich Artemis Atk Capture auf das Wesentliche und läßt von daher keinerlei Wünsche offen. Auch wenn es an dieser Stelle nicht in eine Bedienungsanleitung ausarten soll, möchte ich im folgenden dennoch ein wenig auf die wichtigsten Funktionen zur Bildaufnahme und Kamerasteuerung eingehen. Hierzu dienen zwei kleine Fenster, die über die Menüleiste oder alternativ über die Symbolleiste eingeblendet werden können:

 

Hinweis zur Bedienung meiner "mausaktiven" Dialoge:

Gelegentlich tauchen in den passend zur Mauszeigerposition eingeblendeten Texten Querverweise ("Links") auf. Um diese auch zu erreichen - schließlich wird der Text beim Bewegen der Maus ja wieder umgeblendet - kann man diesen durch Gedrückthalten der linken Maustaste sozusagen "einfrieren". Den Mäuserich dann auf den Link bewegen und die Taste dann wieder loslassen, sonst tut man sich mit dem Anklicken des Links etwas schwer ;=} Funktioniert allerdings nur bei den Browsern Netscape, Opera, Mozilla und Firefox, nicht jedoch im IE.

 
atk Anzeige- und Belichtungsoptionen

Eine kleine Reise mit dem Mäuserich über die Bedienungselemente zeigt deren Funktion an dieser Stelle.
 
 
Schwarzwert

Falls die Option "Auto stretch" nicht aktiviert ist, kann hier derjenige Wert eingestellt werden, bei dessen Erreichen oder Unterschreiten das Livebild auf dem Monitor schwarz dargestellt wird. Rein visuell kommt das Erhöhen dieses Wertes einer Kontrastverstärkung gleich, wobei das Bild zusätzlich dunkler wird.

Dabei ist zu beachten, daß dies nur die Darstellung am Bildschirm betrifft. Gespeichert wird stets das unbehandelte Bild als FITS-Datei.

Weißwert

Falls die Option "Auto stretch" nicht aktiviert ist, kann hier derjenige Wert eingestellt werden, bei dessen Erreichen oder Überschreiten das Livebild auf dem Monitor weiß dargestellt wird. Rein visuell kommt eine Verringerung dieses Wertes einer Kontrastverstärkung gleich, wobei das Bild zusätzlich heller wird.

Dabei ist zu beachten, daß dies nur die Darstellung am Bildschirm betrifft. Gespeichert wird stets das unbehandelte Bild als FITS-Datei.

Logarithmische Darstellung

Auch die logarithmische Darstellung betrifft einzig und allein nur die Darstellung am Monitor. Werte größer 0 bedeuten "dunkle Bereiche aufhellen" und Werte kleiner 0 machen genau das Gegenteil.
Zoom

Mit dem Schieberegler für den Zoomfaktor kann die Vergrößerung am Bildschirm eingestellt werden. Der aktuelle Zoomfaktor wird in der Statusleiste des Hauptfensters angezeigt.
Auto stretch

Eine pfiffige Funktion, die aber den Einsteiger etwas verwirren könnte. Wird diese Funktion aktiviert, dann werden die Felder für Schwarz- und Weißwert deaktiviert, wobei die aus dem Bildinhalt ermittelten dunkelsten und hellsten Bildpunkte trotzdem angezeigt werden. Eine feine Sache, denn so kann man auf ein Live-Histogramm verzichten und hat die Belichtung trotzdem stets im Griff.

Verwirrend könnte bei unzureichend ausbelichteten Bildern allerdings sein, daß auf Grund der starken Histogrammdehnung ein starkes Kamerarauschen vorgetäuscht wird. Den Profi interessiert dagegen nur das Signal-Rauschverhältnis, das auf diese Weise recht gut eingeschätzt werden kann.

Fadenkreuz

Mit dieser Option wird ein Fadenkreuz in das Bild eingeblendet. Sehr nützlich zum Ausrichten oder Zentrieren eines Objekts.
Invertieren

Invertieren der Bilddarstellung am Monitor, sozusagen das "digitale Negativ".
Höhen-Seitenverhältnis korrigieren

Falls eine Kamera verwendet wird, dessen Bildpunkte nicht quadratisch sind, kann die Verzerrung mit dieser Option ausgeglichen werden. Allerdings trifft dies nicht auf die ATK 16IC-HS zu.
Blendfreie Nachtansicht

Rot stört die Dunkeladaption unserer Augen am wenigsten. Mit dieser Option werden alle Farben ungleich Schwarz am Bildschirm in "Rotstufen" umgewandelt.
Kein Kommentar ...

Fenster schließen unter Beibehaltung der eingestellten Optionen.
Belichtungszeit Direkteingabe

In dieses Eingabefeld kann die gewünschte Belichtungszeit in Sekunden direkt als Zahlenwert eingegeben werden. Zu beachten ist bei Zahlen mit Nachkommastellen, daß stets ein angelsächsischer Dezimalpunkt und nicht das deutsche Komma verwendet wird.

Die ideale Belichtungszeit sollte so gewählt werden, daß der Wert, der in dem Feld "White" bei aktiver Option "Auto stretch" angezeigt wird, ca. 50.000 nicht überschreitet. Aber das mit der Belichtungszeit ist so ein Kapitel für sich...

Zugegeben, die angegebene Belichtungszeit von 8192 Sekunden macht entweder dem HST ernsthafte Konkurrenz oder führt zu einer hoffnungslosen Überbelichtung der heimischen Lichtverschmutzung, wobei letzteres sehr viel wahrscheinlicher ist ;=}

Belichtungszeit Minutenschritte

Mit diesen "Rauf-Runtertasten" kann die Belichtungszeit in Minutenschritten vergrößert oder verkleinert werden.
Belichtungszeit Sekundenschritte

Mit diesen "Rauf-Runtertasten" kann die Belichtungszeit in Sekundenschritten vergrößert oder verkleinert werden.
Belichtungszeit Sekundenbruchteile

Mit diesen "Rauf-Runtertasten" kann die Belichtungszeit in "Sub-Sekundenschritten" vergrößert oder verkleinert werden, wobei die Schrittweite von der aktuell gewählten Belichtungszeit abhängt. Es beginnt mit 1/1000s-Schritten, ab 1/100s sind es 1/100s-Schritte, ab 1/10s 1/10s-Schritte usw..
Aufnahmeverzögerung

Wenn eine Aufnahmesequenz (siehe weiter unten) gestartet wird, dann kann hier eine Pause in Sekunden eingestellt werden, die zwischen den einzelnen Aufnahmen liegt.
Belichtungszeit verriegeln

Ist erst einmal die korrekte Belichtungszeit gefunden, dann kann diese mit dieser Option gegen unabsichtliches Verstellen gesichert werden.
Binning horizontal

Hier kann eingestellt werden, wieviele Pixel in horizontale Richtung zusammengelegt werden sollen. Falls die Option BinY=X eingestellt ist, wird für das Zusammenlegen der vertikalen Bildpunkte automatisch der gleiche Wert eingestellt.
Binning vertikal

Hier kann optional ein vom horizontalen Binning abweichender Wert eingestellt werden.
Bildausschnitt

Mit den vier Feldern StartX, StartY, Width (=Ausschnittsbreite) Height (=Ausschnittshöhe) kann im Anzeigebereich des Hauptfensters ein rechteckiger Ausschnitt definiert werden. Der Witz bei dieser Geschichte ist der, daß nur exakt diese Teilmenge aus der Gesamtmenge der verfügbaren Bildpunkte auf dem Kamerachip auch tatsächlich ausgelesen werden, was zu einer drastischen Reduzierung der Bildübertragungszeit zum Rechner führt, die normalerweise stattliche 3,9s beträgt.

Damit steht eine für die Fokussierung so wichtige "webcamtypische" Bildwiederholrate zur Verfügung.

Alternativ kann auch durch Ziehen mit der Maus ein entsprechendes Rechteck direkt im Bild definiert werden. Wird mit einem solchen Ausschnitt später tatsächlich aufgezeichnet, verringern sich die Dateigrößen der gespeicherten FITS-Bilder entsprechend.

Vollbild

Durch Anklicken dieser Schaltfläche wird nach vorhergehender Definition eines Bildausschnitts wieder auf Vollbild umgeschaltet.
Automatisch speichern

Meist wird man nicht einfach mal ein einziges Bild machen wollen, sondern man wird aus verschiedenen triftigen Gründen die Gesamtbelichtungszeit auf mehrere Aufnahmen verteilen wollen. Dazu dient diese Option, die das Bild das von der Kamera empfangen wird automatisch abspeichert. Die Art und Weise, wie das geschehen soll wird mit den folgenden Optionen genau festgelegt..
Dateiname

Mit dieser Option werden Pfad und Dateiname vorgegeben, wobei der Dateiname bei Aufnahmeserien noch einen definierbaren Zusatz (=Sequenznummer) bekommt.
Sequenzformat

Hier wird das Sequenzformat bestimmt. In diesem Beispiel bekommt der vorgegebene Dateiname (=file) einen Zusatz in der Form 001. Bei einer Aufnahmeserie heißt also die erste Datei "cap000.fit", die zweite "cap001.fit" usw.
Auf nächstes Verzeichnis umschalten

Für die ganz Eiligen: Mal schnell auf ein anderes Verzeichnis umschalten und eine neue Aufnahmeserie beginnen. Aus dem ursprunglichen Verzeichnis (unterste Ebene) "raw" wird nach dem ersten Klick "raw_1", dann "raw_2" usw..
Sequenznummer

Die Sequenznummer kann hier auch manuell auf einen bestimmten Startwert gesetzt / korrigiert werden. Ansonsten wird hier nur automatisch hochgezählt.

 

Resourcenverbrauch:
Zum Schluß noch eine kleine aber nicht unwesentliche Bemerkung zum Resourcenverbrauch: Artemis Atk Capture kostet im laufenden Betrieb nur gut 6 MB Arbeitspeicher, wobei die 333 MHz P3-CPU meines etwas in die Jahre gekommenen Laptops nur beim Abspeichern des empfangenden Bilds zu knapp 30% ausgelastet wird. Während der Belichtung selber braucht diese Software überhaupt keine CPU-Leistung. Damit kann auch auf einem älteren Laptop zusätzlich eine weitere Kamera für einen Autoguider betrieben werden ohne den Rechner dabei zu überfordern.

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