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Autoguiding - Off-Axis-Guider-Test



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Autoguiding - Off-Axis-Guider-Test

In diesem Beitrag sollen einige Off-Axis-Guider in ihren Eigenschaften und bezüglich ihrer Praxistauglichkeit genauer untersucht werden.


 

Auf dieser Seite möchte ich die Eigenschaften einiger handelsüblicher Off-Axis-Guider näher beschreiben. Hier in den Kategorien "Gut/Schlecht" zu denken wäre angesichts der Komplexheit des Themas wenig angebracht. Vielmehr hängt die Wahl des "besten" Off-Axis-Guiders ganz entscheidend vom eingesetzten Teleskop und im wesentlichen auch von der Größe des Kamerachips ab.

Eine große Rolle spielt auch die Verwendung brennweitenverkürzenden oder bildfeldebnenden Linsen (Reducer / Bildfeldebner) zwischen Off-Axis-Guider und Kamerachip. Man könnte vereinfachend sagen, daß der Kamerachip durch die Verwendung eines Reducers um den Faktor der Brennweitenverkürzung "künstlich vergrößert" wird. Dies ist bei der Wahl eines geeigneten Off-Axis-Guiders unbedingt zu berücksichtigen.

Da auf dieser Seite bisher nur drei Off-Axis-Guider beschrieben sind, ist fairerweise jeder Hersteller / Händler herzlich dazu eingeladen, seinen Off-Axis-Guider von mir persönlich testen und dokumentieren zu lassen, wobei das Resultat in diesem Beitrag in aller Ausführlichkeit veröffentlicht werden wird. Eine kurze Kontaktaufnahme genügt, und wir reden über die Einzelheiten.

 

Lumicon Easy Guider LG1010 (*)


LG1010Lumicon Easy Guider LG1010:

Bei diesem Off-Axis-Guider fällt sofort die extrem kurze Bauweise auf. Tatsächlich beträgt der optische Weg nur ganze 17 (!) mm, wodurch dieser oft die einzige Wahl ist, wenn das Teleskop nur über einen kurzen Fokusweg verfügt, etwa vom Typ Newton. Teleskopseitig besitzt dieser OAG eine fest montierte 1¼"-Steckhülse, während kameraseitig ein T2-Außengewinde verfügbar ist (Abbildung).
 

LG1010-TeleskopseiteLG1010-Teleskopseite

Teleskopseitig sehen wir ein außergewöhnlich großes Prisma, das viel Licht für den Leitstern verspricht. Jammerschade, daß sich das Prisma nicht in seiner Tiefe verstellen läßt, der Abstand der inneren Prismenkante zur optischen Achse ist daher nur ein Kompromiß für "mittelgroße" Kamerachips von ca. 8-16mm Diagonale. Dafür sollte der volle Innendurchmesser für den Strahlengang verfügbar sein, es sein denn, man schraubt in das Innengewinde einen Filter ein.
 

LG1010-StrahlengangLG1010-Strahlengang

Der Blick durch den OAZ auf den Primärspiegel, der sich im Fangspiegel spiegelt macht eins deutlich: Hier wird kaum Licht verschwendet, beinahe die volle Öffnung ist sichtbar. Entsprechend hell "kommen" die Leitsterne.
 

LG1010-OkularauszugLG1010 - OAZ

Der recht stabile OAZ kann durch Lösen der beiden Rändelschrauben gegenüber dem Rumpf verschoben werden, so daß der Suchbereich für den Leitstern - zumindest theoretisch - vergrößert werden kann. Während der praktischen "Arbeit" in der Dunkelheit hat sich das jedoch als reichlich fummelig erwiesen, und das etwas zu schmal geratene Langloch darunter sorgt bei nicht-mittiger Ausrichtung für eine erhebliche Abschattung des Prismas, wodurch schwächere Leitsterne dann "unsichtbar" werden. Abbildung mit teleskopseitigem Okularhalter.

Fazit:
Insgesamt ein gelungener Off-Axis-Guider mit extrem kurzem optischen Weg und großem Prisma. Unverzichtbar bei kurzem Fokusweg. In der Handhabung jedoch nur bedingt komfortabel.

 

Lumicon Easy Guider LG1025 (*)


LG1025Lumicon Easy Guider LG1025:

Der große, überaus schwere und stabile OAG besitzt intern eine Reducerlinse, die die Brennweite um ca 40% reduziert. Wahlweise kann dieser Reducer vor oder hinter dem Prisma betrieben werden. Teleskopseitig steht ein SC-Innengewinde zur Verfügung, während es kameraseitig mit einem T2-Außengewinde weitergeht. Durch Lösen der 3 Rändelschrauben am teleskopseitigen Ende des OAG's kann der gesamte OAG zur Leitsternsuche um 360° gedreht werden. Allerdings dreht sich die Kamera gleich mit, so daß diese zum korrekten Einnorden der Aufnahme neu ausgerichtet werden muß. Schlecht ...
 

LG1025-TeleskopseiteLG1025-Teleskopseite:

Beim Blick durch das teleskopseitige Ende des OAG's fallen 2 Dinge sofort auf: Die hinter dem Prisma angeordnete Reducerlinse und das große Prisma selbst - dieses sitzt "auf der falschen Seite", was bei der Leitsternsuche zu berücksichtigen ist. Leider ist das Prisma auch hier in der Tiefe nicht verstellbar, läßt aber in diesem Modell die Verwendung riesiger Kamerachips vom Kleinbildformat und aufwärts zu. Problematisch wird es, wenn sich im Strahlengang zwischen Teleskop und OAG Verengungen befinden, verursacht etwa durch zwischengeschaltete Feinfokussierer oder Bildfeldderotatoren. Schon wenige Millimeter vom Rand haben bei diesem OAG bereits fatale Folgen, wobei die ersten ca. 2mm schon beim Anschrauben an das Teleskopende durch die Wandstärke des teleskopseitigen SC-Anschlusses verloren gehen.

Genial ist andererseits die Idee, den Reducer gleich im OAG zu integrieren. Das spart Baulänge und Gewicht.
 

LG1025-StrahlengangLG1025-Strahlengang:

Das Problem mit der Abschattung wird an meinem SCT besonders deutlich: Hier liegen im Strahlengang noch ein Feinfokussierer und ein Bildfeldderotator mit den entsprechenden Verengungen im Strahlengang des Teleskops. Nicht einmal die Hälfte der Öffnung ist beim Blick durch den OAZ zu sehen, was einiges an "Leitsternlicht" kostet.
 

LG1025-OkularauszugLG1025 - OAZ:

Auch bei diesem OAG läßt sich der OAZ durch Lockern der beiden Rändelschrauben verschieben um die Auswahl an Leitsternen - wenigstens theoretisch - zu erhöhen. Auch bei diesem OAG hat sich das in der Praxis als etwas fummelig erwiesen, möglicherweise hat man hier aber mehr an die Benutzung eines Fadenkreuzokulars gedacht, wo der Leitstern möglichst (idealerweise) mittig positioniert werden sollte.

Fazit:
Insgesamt ein sehr stabiler aber eben auch etwas unhandlicher Off-Axis-Guider, bei dem unbedingt darauf zu achten ist, daß es keinerlei Verengungen im teleskopseitigen Strahlengang gibt. Gut geeignet für große Kamerachips. Von der Betriebsart "Reducer vor dem OAG" kann ich aus persönlicher Erfahrung nur abraten. In der praktischen Handhabung leider nur wenig komfortabel.

 

Celestron Radial Guider


Celestron Radial GuiderCelestron Radial Guider:

Der große und mittelschwere Off-Axis-Guider besitzt teleskopseitig ein SC-Anschluß und kameraseitig ein T2-Außengewinde, was dem Standard entspricht. Der Okularauszug kann zusammen mit dem Prisma um fast 180° völlig unabhängig gegenüber dem Rest des OAG gedreht werden. Dazu muß nur die Rändelschraube ganz unten im Bild etwas gelockert werden. Dadurch ändert sich die Orientierung der Kamera bei der Leitsternsuche nicht im geringsten, woraus sich ein bedeutender Vorteil in der Handhabung ergibt.

Genial ist auch die eingebaute Verstellbarkeit des Prismas in der Tiefe. Wird ein kleinerer Kamerachip verwendet, etwa um 10mm in der Diagonalen, kann man dieses Prisma weiter in den Strahlengang bringen, wodurch deutlich mehr Licht für den Leitstern übrigbleibt. Leider ist dieses Prisma recht klein geraten, sonst könnte man fast von einem idealen OAG reden.
 

Celestron Radial Guider - OAZCelestron Radial Guider - OAZ:

Der Blick in den OAZ zeigt eine weitere Besonderheit: Mittels der Rändelschraube unten im Bild kann das Prisma leicht verkippt werden. Dadurch läßt sich der radiale Bereich zur Leitsternsuche deutlich vergrößern. In der Praxis sind das immerhin stolze 12' an einem 10" SCT! Zwei kleine Mankos sollten an dieser Stelle jedoch auch nicht verschwiegen werden: Zum einen ist es gerade die Spitze der gerade erwähnten Rändelschraube, die sich beim Hereinschrauben in den Strahlengang bewegt, und zum anderen ist es die recht kleine Öffnung, die einen gewissen Engpaß im Strahlengang darstellt.
 

Celestron Radial Guider - StrahlengangCelestron Radial Guider - Strahlengang:

Trotz dieser kleinen "Macken" bleibt genügend Licht für den Leitstern übrig, wie der Blick durch den OAZ auf die Teleskopöffnung zeigt. Leitsterne bis etwa 10 Magnituden sind mit einer S/W-Webcam bei 0,2s Belichtungszeit kein Problem.

Fazit:
Bisher bester Off-Axis-Guider für meine persönliche Ausrüstung. Einziges Manko ist das etwas zu klein geratene Prisma, das sich jedoch in seiner Tiefe verstellen und damit an die meisten Kamerachips anpassen läßt. Pluspunkte auch für das einfache Verkippen des Prismas und die Möglichkeit, dieses zusammen mit dem OAZ um fast 180° unabhängig vom Rest des Aufbaus drehen zu können. In der Handhabung somit äußerst komfortabel.

(*) Die Lumicon-Guider wurden mir freundlicherweise von Teleskop-Service aus Putzbrunn zum Testen zur Verfügung gestellt. Nebenbei - eine gute Empfehlung, wenn es um Teleskope und Zubehör geht, faire Preise und sehr kompetente Beratung.

 
 
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